Jahrestagung der IEC-Kommission für Windenergieanlagen brachte Experten aus 15 Ländern zusammen
Während politische Spannungen weltweit zunehmen, setzt die International Electrotechnical Commission (IEC) auf Kontinuität und technischen Dialog als stabilisierende Kraft. „Heute haben wir gesehen, wie Länder zusammenarbeiten, die aufgrund externer Politik möglicherweise sonst nicht miteinander ins Gespräch kämen. Dennoch tauschen sie sich frei über Ideen und Wissen aus“, betonte Jonathan Hughes, Vorsitzender des IEC-Fachausschusses für Windenergieanlagen, die unverzichtbare Bedeutung internationaler
Zusammenarbeit gerade in Zeiten außenpolitischer Unruhe. Das „Technical Committee 88“ des IEC, kurz TC 88, traf sich auf Einladung des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik (OVE) zur Jahrestagung im Headquarter des Automatisierungsherstellers Bachmann electronic in Feldkirch. Die 48 Teilnehmer aus 15 Nationen – darunter neben europäischen Staaten wie Deutschland, Frankreich und Dänemark auch die USA, Kanada, Japan, China, Südkorea und Singapur – diskutierten intensiv über zukunftsfähige Standards für die Windenergie. Im Mittelpunkt standen die Anpassung etablierter Design-Standards an Offshore- und schwimmende Fundamente sowie der zunehmende Einsatz neuer Materialien wie Beton und Hybridkonstruktionen anstelle reinen Stahls bei Windkraft-Türmen. Auch die Netzintegration gewinne an Bedeutung, so Hughes, da sich marktbedingte Anforderungen regional erheblich unterschieden, etwa bei der Netzbildung oder Fragen der Langzeitzuverlässigkeit. Die regionalen Herausforderungen erfordern nach Aussage des Experten differenzierte technische Lösungen: Während in der Nordsee verstärkt RegenErosion drohe, kämpften sehr trockene Regionen mit Sand-Eintrag und extremen Temperaturen. Hinzu komme der Klimawandel selbst, der statische Berechnungen grundlegend infrage stelle. Konstruktionen, die für ein Jahrhundertereignis ausgelegt waren, müssten heute möglicherweise jährlichen Extrembelastungen standhalten, so Hughes weiter. Für die Zukunft der Normungsarbeit zeigte sich Hughes optimistisch: Die internationale Zusammenarbeit funktioniere auch bei den aktuellen politischen Spannungen gut: „Dank des Engagements einzelner Experten, die alles zusammenbringen, egal wo sie auf der Welt arbeiten“, schloss der Experte.



